Die Marburger Politikwissenschaftlerin lebt und arbeitet derzeit in Dresden. Ihr Modekunstprojekt hat Kristina Krömer erst kürzlich ins Leben gerufen. Ihrem Konzept von „Stoffmassaker“ liegt die Idee zugrunde, im Sinne der Performanz, also des sozialen Handelns durch Darstellung, an einer Veränderung der normativen Wahrnehmung und Zuordnung von Menschen in und durch Mode mitwirken zu können.

Ausgangs- und Angriffspunkt sind die in Mode enthaltenen Trennungen: Die Trennung zwischen den Geschlechtern und ihre Einteilung in männlich und weiblich. Die in Mode zum Ausdruck kommende Unterscheidung zwischen dem gesellschaftlichen Oben und dem gesellschaftlich Unten. Der konstruierte Unterschied zwischen dem Schönen und dem Hässlichen. Die über Mode visualisierten kulturellen und politischen Grenzen zwischen dem Wir und den Anderen.

Das Stoffmassaker mischt die Karten der in Mode enthaltenen Zeichen und setzt sie neu zusammen. Kleidung, die zum Beispiel einer konkreten sozialen Strata zugeordnet wird – wie der Blaumann, der mit dreckiger und schwerer Arbeit assoziiert wird und das klassische Kleidungsstück des Proletariats darstellt – wird mit anderen modischen Elementen kombiniert, beispielsweise mit feinen, teuren Stoffen, die in einer anderen gesellschaftlichen Schicht zu verorten sind. Aus diesem Transformationsprozess gehen dekontextualisierte Kleidungsstücke hervor, die sich jenseits des Systems gesellschaftlicher Klassen bewegen.

Die Stoffe, die dafür verwendet werden tragen bereits eine Geschichte in sich. Es sind alte Kleidungsstücke, die durch ihre Besitzer_innen geprägt wurden. Stoffmassaker lädt ein, die eklektische Verbindung von Kleidungsstücken im Bewusstsein ihrer Vergangenheit und ihrer Aussagekraft neu- und weiterzuschreiben – jenseits von gesellschaftlichen Zwängen und Vorgaben, die das Geschlecht, die Ethnie, die Klasse und/oder das Schönheitsideal betreffen. Am besten jeden Tag!

„Robherta“ – Bricolage aus Kleidungsstücken, 2009
Roberts Latzhose in rosé geht eine Liebesbeziehung voller Abneigung zu Hertas Abendkleid aus den polyesterlastigen 70ern ein und bildet eine farblich explosive Mischung aus Catsuit und Tütü. Anwendungsvorschlag: Trägt sich hervorragend zum Blumen umtopfen.

„Spitzlatz, der“ – Bricolage aus Kleidungsstücken, 2009
Eine neue Bekleidungsform aus dem unverbrauchten, aber emotional vernachlässigten Blaumann von Heinz Alfred und Tante Talitas kellerbeheimateter Spitze. Einsatz: Nicht empfehlenswert zu Gartenarbeit, ideal dagegen beim Einkauf von Obst und Milchprodukten.

„pluderichter Hosenteuffel“ – Bricolage aus Kleidungsstücken
Hommage an die ersten ‚pluderichten Hosenteuffel’ um 1555. Königliche Garderobe von Karl V. und seinen Kollegen. Verkleidet in Seidenpaisley und einer Metzgerjacke aus einer DDR-Schlachterei in Dresden – praktisch mit Schamkapsel zur traditionellen Aufbewahrung von „Geldbörsen und Orangen“. Im Geiste und durch Knopf mit dem nördlich gelegenen Weste-Bikini-Kombinat verbunden. Trageoption: Als klassisches Büro-Outfit.

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