…mehr als ein Aufstand der textilen Zeichen!
Politische Praxis& symbolische Politik
Von Elke Gaugele
Sprechende Kleider rufen den Aufstand der textilen Zeichen aus, intelligente Moden erzeugen einen Sound, der sich gegen Konsum und Ausbeutung richtet, bestickte Bänke und Häkelmützchen auf Überwachungskameras verkünden eine neue Dimension textiler Kommunikationsguerilla.
Auf welcher historischen Basis, fragt der folgende Vortrag, agieren 3rd wave Craftistas? Welche politischen Praxen lassen sich als historische Vorläufer eines Aufstands der textilen Zeichen lokalisieren?
1978 publizierte der französische Soziologe und Philosoph Jean Baudrillard seinen legendären Aufsatz „Kool Killer oder der Aufstand der Zeichen“1. In diesem Text über den Code der Graffitis in den us-amerikanischen Städten radikalisiert er die Idee einer semiologischen Guerilla (Eco 1967). Auch Roland Barthes hatte bereits Ende zu Beginn der 1960er Jahre gefragt: „Ist die beste Subversion nicht die, Codes zu entstellen, statt sie zu zerstören?“ Als „Aufstand der Zeichen“ wie ihn Baudrillard skizziert, dringen Graffitis in die Stadt ein und stören die kapitalisierte Ordnung der Zeichen.
Der „Aufstand der Zeichen“ beinhaltet jedoch ein weiteres radikales Vermächtnis- im Verhältnis von Kunst und Subversion. Kunst ist hier ein Typus der Vereinnahmung: die ästhetische Reduktion des Widerstands in ein Format der herrschenden Kultur.
Mein Beitrag konzentriert sich daher auf die politische Geschichte feministischer Textilpraktiken und deren Verhältnis von politischer Praxis und symbolischer Politik. Unter welchen Vorzeichen wurden textile Praktiken im 19. Jahrhundert zu Instrumenten feministischer Politik?
Diesen Vorgeschichten der Craftistas gehe ich zum einen am Beispiel der Tricoteuses in der französischen Revolution nach. Zum anderen beleuchte ich, wie kontrovers sich das Spektrum textiler Aktivitäten in der ersten Frauenbewegung als Teil des Kampfes um die Staatsbügerinnenschaft gestaltete: Textilarbeiterinnenstreiks, Vereinsgründungen der Heim- und Hausarbeiterinnen, Bestrebungen zur Gründung eines Museums für weibliche Handarbeiten in Wien, Arme-Mädchen-Beschäftigungsvereine, Strick- und Nähstuben als nationale Heimatfront im ersten Weltkrieg.
Doch bleibt die Frage offen, wie heute mit Textilien subversive feministische Politik gemacht wird und zukünftig gemacht werden kann. Erschöpfen sich aktivistische Mode- und künstlerische Textilpraktiken gar in einem Re-Cycling und Re-Fashioning subversiver Codes? Um dies abschließend gemeinsam zu diskutieren, werden zum einen Bilder des Studierendenstreiks an der Uni Köln gezeigt, der 2005 gegen die Abschaffung des Studienfachs Textilgestaltung kämpfte. Zum anderen möchte ich hierzu auch das Wiener Modelabel Fabrics Interseason zu Wort kommen lassen. In einem Interview kommen diese zum Schluss, dass sich derzeit eher mit unrasierten Achselhaaren Politik machen ließe, als mit Hosen.
1 Jean Baudrillard (1978): Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen. Darin: , Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen Berlin, S. 19-38.







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November 19, 2009 um 9:51 vormittags
Samstag 21.11.2009 « Aufstand der textilen Zeichen
[...] Dr. Elke Gaugele Anhand historischer Positionen aus den Schriften der ersten Frauenbewegung gibt Prof. Dr. Elke Gaugele, Professur für Moden und Styles am Institut für das künstlerische Lehramt der Akademie der [...]